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Fracking ist schon unter uns!

Fracking ist aus den USA nach Europa gekommen und die Energie- und Chemieunternehmen verkaufen diese neue Fördertechnik als Lösung unserer Energieprobleme. Dabei wird hier so getan, als ginge es erst um die Suche nach Förderfeldern und den erstmaligen Einsatz dieser Technik in Deutschland. Zumindest als Süddeutscher gewinnt man bei Verfolgung der Medien diesen Eindruck. Dass CDU und FDP das Fracking bewerben, versteht sich von selbst.

Längst ist man in Deutschland dabei, die Chemiecocktails in die Erde zu spritzen und Unmengen giftiger Abwässer zu erzeugen.

Nachdem es bei Probebohrungen von Exxon zur Gasförderung mittels Fracking in Sohlingen zu Austritten von Quecksilber und Kohlenwasserstoffen ins Erdreich kam, verhängte die Regierung von NRW ein Moratorium.

Selbst ohne die Zuhilfenahme des Hydraulic Fracturings, des Pressens von flüssigen Gemischen ins Gestein, gibt es Probleme mit Lagerstättenwasser aus Gesteinsschichten. Im Landkreis Verden in Niedersachsen fördert DEA bei Völkersen "Tight Gas". Hier wurden gasführende Sandsteinschichten angebohrt. Nach oben entweicht aber nicht nur Erdgas, sondern auch Lagerstättenwasser. Dieses Lagerstättenwasser enthält giftige Stoffe wie Benzol und Quecksilber. Es kam bei Völkersen schon mehrfach zu Austritten aus Rohren und Kontamination des Bodens. Das schadstoffhaltige Wasser wird zurück in die Erde verpresst.

Wenn schon bei der konventionellen Förderung von "Tight Gas" mit der sicheren Behandlung von Lagerstättenwasser gekämpft werden muss, wie schaut das erst beim unkonventionellen Fracking aus? Zur Erzeugung von Rissen in festen Gesteinsschichten fällt ungleich mehr zu behandelnde Flüssigkeit an, Unmengen von Trinkwasser werden verbraucht.

Fracking verlängert nur die Frist des auf fossilen Rohstoffen gestützten Wachstums. Noch vor der Bundestagswahl sollte ein Gesetz zur Gasförderung durchgebracht werden, dass Fracking regelt. Eine Regelung ist nötig, denn das aktuelle Bergbaugesetz kennt Fracking nicht und ist für die Risiken zu lasch. Immerhin sieht die Baden-Württembergische CDU einen besonderen Schutz für Einzugsgebiete von Trinkwasser vor. Doch schon interveniert die FDP. Wer braucht diese Partei zur Liberalisierung für Konzerninteressen? Obwohl sich diese Thema FDP auf Bundesebene erledigt hat, ist zu befürchten, das diese Lobbyisten-Partei nichts unversucht lassen wird, ihrem Kientel die Profitbeutel zu füllen.

Als Gipfel der Unverfrorenheit strebt nun EU-Kommissar Günther Oettinger über die Kritik hinweg die Zwangszulassung von Fracking in den EU-Ländern an. Ein Schelm, wer Böses dabei denkt, dass der Ex-CDU-Landeschef die schmutzige Arbeit für die Bundeskanzlerin macht. Unterstützt wird das Ganze durch eine umfangreiche Medienberichterstattung, um die Bevölkerung Schritt für Schritt auf dieses Abenteuer vorzubereiten. Würde Fracking über den EU-Energiekommissar geregelt werden, könnte sich die Bundeskanzlerin ihre Hände in Unschuld waschen und ihre CDU bekäme trotzdem die in weiten Teilen der Bevölkerung unbeliebte Technologie durch das europäische Hintertürchen. Eine sich anbahnende große Koalition aus CDU und SPD ist ebenso kein Garant, dass diese Büchse der Pandora an der Bevölkerung vorübergeht, anzunehmen ist wohl eher das Gegenteil, mit einer NRW Ministerpräsidentin, die die Koalitionsverhandlungen der Arbeitsgruppe "Energie" führt.

Heinz Schammert

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